Ordentliche Mitgliederversammlung 2012 – INFORMATIONEN 1/2012

Mit seiner Mitgliederversammlung am 14. Januar im Schloss Berlin-Biesdorf ist der Freundeskreis Timirjasev e. V. ins Jahr 2012 gestartet.
Die INFORMATIONEN 1/2012 geben einen inhaltlichen Überblick über unser Treffen und verdeutlichen vor allem, was wir uns in diesem Jahr vorgenommen haben.
Wie immer steht die kleine Publikation auf unserer Website zum Download für jeden, der es wünscht, bereit.

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Russland 2012 – Jahr der Reformen? – Eine Betrachtung

Ja.
Diese Antwort ist politisch völlig unverbindlich.
Doch folgt man dem Blick von außen auf das Land und hört man z. B. via Twitter oder Facebook die innenpolitische Vielstimmigkeit dazu, drängt sich eine Nachfrage auf: Wirklich?

Wer nun dies erörtern will, ist gut beraten sich thematisch zu beschränken.
Die ambitionierten nationalökonomischen Vorhaben klammern wir hier einmal aus. Ganz bewusst.

Wer sich nun „nur“ auf das Kapitel notwendiger Reformen des politischen Systems beschränkt, kommt zugleich nicht um das Thema „Nationalismus“ herum.

Die Nachwehen eines fragwürdigen Abstimmungsergebnisses bei den Wahlen zur Staatsduma am 4. Dezember 2011 kulminierten zunächst u. a. in Straßenprotesten und zwei Kundgebungen der außerparlamentarischen Opposition am 10. bzw. 24. Dezember auf dem Bolotnaja bzw. dem Prospekt Sacharowa in Moskau.
Doch schon hier offenbarte sich das Hauptmanko der „Masse“ der Unzufriedenen: Dominiert von zutiefst persönlichen Ambitionen der exponierten Akteure ließen sich nur drei gemeinsame Grundpositionen erkennen: Einiges Russland ist die Partei der Gauner und Diebe – Annulierung der Wahlen – Putin und Tschurow* weg!
Wege und Ziele notwendiger gesellschaftlicher Veränderungen blieben diffus und ohne programmatischen Bezug, klare Führungspersönlichkeiten waren nicht erkennbar, die ideelle und organisatorische Vernetzung oblag den internetaffinen Nutzern von Touchscreen-Tablet-PC und Smartphones.

Es begann danach eine wahre Kakophonie der Nawalnys, Udalzows, Kaschins & Co., die bis heute unvermindert anhält und in letzter Instanz z. B. nicht nur Olga Romanowa, Abteilungsleiterin Journalistik und Medienkommunikation der Moskauer Hochschule für Ökonomie via Facebook fragen ließ, worüber man eigentlich durch wen mit wem reden möchte.
Das Hauptsubjekt der WWW-Verfemung Ministerpräsident Wladimir Putin selbst erklärte, er sei zu jedem Dialog über notwendige politische Reformen bereit, doch mit wem bitte sei das Gespräch zu führen? Zugleich offerierte er sich jetzt als Präsidentschaftskandidat unter www.putin2012.ru .

Diese Frage fand eigentlich schon Ende 2011 eine erste Antwort.

In Moskau etablierte sich ein Gründungskomitee des „Runden Tisches 12. Dezember“**, formulierte an diesem Tag sein Memorandum und wandte sich in einer Grundsatzerklärung an die Bürgerinnen und Bürger der RF.
Diese unterstützten auch einstige „Straßenprotestler“ wie der Schriftsteller Boris Akunin, der Publizist Leonid Parfenow oder die wohlbekannten Boris Nemzow, Michail Kasjanow, Juri Ryshkow und Igor Tschubais. Und unter den Erstunterzeichnern findet sich auch der Name von Igor Jurgens, Direktor des INSOR, jenes (neoliberalen) Wirtschafts- und Politikinstitutes, welches Anfang 2011 eine „Strategie-2012“ vorlegte, welches seinerzeit als Wahlprogramm für eine zweite präsidiale Amtszeit Medwedjews galt.
Am 8. Januar 2012 publizierte dann die NOVAYA GAZETA den Grundsatzartikel „Wozu, wie und wer sollte mit der Macht verhandeln“ von Georgij Satarow, Teilnehmer des „Runden Tischs 12. Dezember“.
Dort formuliert er klar strukturiert programmatische Prämissen als Gesprächsvorgaben einer außerparlamentarischen Opposition an die Adresse des Tandems Medwedjew-Putin, welches sich im Ansatz z. B. mit jenen treffen, zu welchen sich der Noch-Staatspräsident in seiner Botschaft an die Föderale Versammlung am 22. Dezember 2011 bekannte: Unbedingte Verfassungstreue bei Überprüfung der Verfassungskonformität aller von der Staatsduma bisher erlassenen Gesetze, Verfassungsneufassung und –referendum, verfassungskonforme Neuregelung des Wahlrechts. Dazu sei ein Dialog mit der Kreml-Führung zu beginnen, den Moderator dafür hat man auch schon erkoren: Ex-Finanzminister Aleksej Kudrin.
Dieser wiederum warb kürzlich in seinem Blog auf „Echo Moskwa“ um Besonnenheit bei politischen Reformen, man müsse in Etappen vorgehen, dürfe natürlich auch Judikative und Medien nicht vergessen, aber Totalität werde das Land an den Rand des Zusammenbruchs führen. Eine personelle Alternative zu Putin gäbe es jetzt noch nicht, aber in ein bis zwei Jahren solle eine entsprechende Persönlichkeit der Opposition dafür bereit stehen.
Doch sollte nicht vergessen werden: Neu ist das alles nicht! Immer wieder betonte Dmitri Medwedjew nach seiner Wahl am 8. März 2008 den Willen und den Zwang zu Reformen des politischen Systems, einhergehend mit ambitionierten ökonomischen Vorhaben. Wer z. B. seine jährlichen Botschaften an die Föderale Versammlung nachliest, wird daran erinnert. Doch viel mehr als das dahintümpelnde Skolkowo-Projekt und eine fragwürdige Polizei-Reform kamen nicht heraus.

Medwedjews Bilanz ist mager. Sehr mager!

Die Weichen scheinen also gestellt, auch die russisch-orthodoxe Kirche mahnte zum notwendigen, aber friedlichen gesellschaftlichen Dialog.

Doch ist die Ablehnung dieses Konzepts bereits erkenn- und fassbar, die Nawalnys setzten auf offene Konfrontation, statt Kompromiss und Dialog.
Doch es kann bezweifelt werden, dass eine wahrnehmbare Menge der Russen ihnen folgen wird.
Zumal sich Regierende, parlamentarische Opposition und die Anführer der Straßenproteste eines variierenden, aber erkennbaren und vereinigenden Elements bedienen: des russischen Nationalismus.
Er ist nicht mehr Alleinstellungsmerkmal der Liberaldemokraten Schirinowskis, der Assoziation russischer (Auslands)Gemeinden Rogosins oder der Nationalbolschewisten Eduard Limonows.
Er ist vielmehr gesellschaftsfähig geworden, hat dem Ultranationalismus des „Russischen Marsches“ dessen Absolutheit genommen und findet sich gar bei den russischen Kommunisten wieder.
Ihn vertreten ebenso programmatisch die „Einheitsrussen“ und die Gesamtrussische Volksfront spätestens seit dem Manifest des aufgeklärten Konservatismus des Nikita Michalkow.
Und dieser Nationalismus geht einher mit einer von höchster Ebene gewollten, gesellschaftlich voll akzeptierten, im Ausland argwöhnisch beäugten und im postsowjetischen Russland bisher unbekannten Militarisierung des öffentlichen Lebens (Stichwort hier u.a. Bildungsreform) einher. Bis 2020 will Russland wieder globale Supermacht sein, ökonomisch vielleicht, militärisch unbedingt. Und Führungsmacht der „Eurasischen Union“, der Nachfolgerin der GUS und des Einheitlichen Wirtschaftsraumes Belorussland – Kaschstan – Russland.

Russland 2012 – Jahr der Reformen? Ganz sicher! Aber vielleicht anders, als man es hierzulande erwartet.

12. Januar 2012

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Russland 2012 – Jahr der Reformen? – НОВОСТИ ВОСТОКА 1/2012

Nun sind seit zwei Tagen auch die Neujahrsferien in Russland zuende und für die meisten Deutschen begannen schon am 2. Januar ganz profan die Zwänge ihres Jobs.
Da wird es höchste Zeit, dass wir hier unsere НОВОСТИ ВОСТОКА 1/2012 vorstellen.
Natürlich eröffnen wir sie mit einem kleinen Rückblick auf das orthodoxe Weihnachtsfest, doch im Mittelpunkt der Ausgabe steht der Versuch einer Analyse “Russland 2012 – Jahr der Reformen?”.
Diesen Artikel werden wir auch hier in diesem Blog präsentieren. Dies in der Hoffnung auf klärende Kommentare und gegensätzliche Meinungen, denn nichts dürfte für den Außenstehenden momentan schwieriger zu durchschauen sein als die innenpolitische Situation in der RF.
Daneben verweisen wir in den НОВОСТИ ВОСТОКА 1/2012 auf das am 18. Februar in Lettland stattfindende Referendum über die Einführung des Russischen als zweite Amtssprache, aktuelle Geschehnisse in der Ukraine, den Versuch einer Internetzensur in Belorussland und das Asyl von Alexander Timoschenko, Gatte der in der Ukraine nunmehr in Strafhaft sitzenden Ex-Premierministerin Julia Timoschenko, in der Tschechischen Republik.
Der Kaufrausch vermögender Russen in Deutschland und Großbritannien nach Neujahr war daneben ebenso ein Thema, wie die Warnung des russischen Katastrophenschutzministers Sergej Schoiku vor ungewöhnlich starkem Frühjahrshochwasser an sibirischen Flüssen. Dort, wo wie in Jakutien bei – 50 °C Dauerfrost in den letzten Tagen Flüsse durch die extreme Kälte teilweise bis auf den Grund durchgefroren sind.
Und wir verrieten, dass 2011 Moskauer Neugeborene meistens von ihren glücklichen Eltern altslawische und norwegische Vornamen bekamen. Spitzenreiter der Hitliste bei den Mädchennamen – Ljubomira und bei den Jungen – Budimir. Ungewöhnlich, oder?
Der Auftakt ist also gemacht. Wir freuen uns auf dieses Jahr mit Ihnen!

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С Новым годом! – INFORMATIONEN 12/2011

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leser unseres Blogs!
Der FREUNDESKREIS TIMIRJASEV e. V. in Deutschland wünscht Ihnen am Ende dieses Jahres einen erfolgreichen Start in ein friedliches, helles, erfolgreiches und möglichst sorgenfreies 2012.
Wir tun dies mit den Informationen 12/2011, einem kleinen Rückblick auf die НОВОСТИ ВОСТОКА, die im ablaufenden Jahr diesmal mit “nur” 45 Ausgaben erschienen.
Innenpolitisch gesehen war dabei natürlich der Monat Dezember mit der heftigen Kontroverse um die Duma-Wahl und den hieraus resultierenden Ereignissen von besonderer Brisanz.
Bisher aber kam dieser in unseren Publikationen und im Jahresrückblick zu kurz.
Daher werden wir aus unserer Sicht gleich im neuen Jahr eine besondere Betrachtung “Quo vadis Russland 2012?” folgen lassen.
Vielleicht folgen Sie unseren Überlegungen und Darstellungen ja auch im folgenden Jahr. Es würde uns freuen und wir wären auf Ihre Kommentare gespannt.

In diesem Sinne alles Beste und Schöne!

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Wir wünschen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest! – INFORMATIONEN 11/2011

Mit den INFORMATIONEN 11/2011 wünschen wir allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

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Erste Einblicke und ein Kommentar – НОВОСТИ ВОСТОКА 45/2011

Sicher ist es nicht ganz unverständlich, dass wir uns bereits heute am Morgen aufmachten, um zu erfahren, ob 10:00 Uhr Moskauer Zeit, wie gestern spätabend von Wladimir Tschurow, dem Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission der RF, angekündigt, ein vorläufiges amtliches Endergebnis der gestrigen Duma-Wahl vorliegen würde.

Dazu sei die Erfassung von 99 % der Wahlkreis-Bulletins erforderlich.
Doch dazu kam es nicht, die Verzögerungen des gestrigen Abends setzten sich fort und so präsentierten wir in einem schnellen Newsletter zunächst einen Screenshot des Stimmencounters der ZWK von heute 13:45 Uhr Moskauer Zeit.
Egal, wie man es nun dreht und wendet oder was die kommenden Stunden noch bringen werden (Und ein endgültiges Ergebnis gibt es nicht vor übermorgen, wenn auch die Stimmen aller Russen im Ausland ausgezählt sind.): Die Partei von Staatspräsident und Regierungschef “Einiges Russland” hat fast 15 % Stimmen eingebüßt, damit die verfassungsändernde Mehrheit verloren und einen denkbar schlechten Einstieg in den Präsidentschaftswahlkampf hingelegt.
Natürlich gibt es viele Fakten und Vermutungen über unbewusste Fehler und gezielten Wahlbetrug, bis heute morgen erreichten die ZWK 117 schriftliche Wahlbeschwerden (2007 waren es am Ende 594, von denen 62 stattgegeben wurde.), die Wahl als solche stellen sie aber nicht in Frage.
In diesem Zusammenhang sei auch einmal an die logistischen Herausforderungen in einem Land mit neuen Zeitzonen und 105 Millionen Wahlberechtigten erinnert. Da sind Fehler und Versäumnisse praktisch nicht zu vermeiden, aber offenbar stets die Ausnahme.
Sei es wie es sei, diese Duma-Wahlen werden uns auch nach den НОВОСТИ ВОСТОКА 45/2011 weiter beschäftigen.

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Wohin steuert Südossetien? – НОВОСТИ ВОСТОКА 44/2011

Wir geben es zu: Gerade abgeschaltet den Livestream ROSSIJA 24, dort gab es die erste offizielle Verlautbarung seitens der Zentralen Wahlkommission zu den Ergebnissen der Duma-Wahlen in Russland, aber ein vorläufiges amtliches Endergebnis werde man erst morgen früh 10:00 Uhr Moskauer Zeit präsentieren, dann lägen die Ergebnisse aus 99 % der Wahllokale vor.
Bisherige Hochrechnungen und vorläufige Resultate lassen aber einen Stimmenanteil von unter 50 Prozent für “Einiges Russland” erwarten, dies wäre eine schwere Niederlage für das Gespann Medwedjew/Putin und gibt schon jetzt Raum für Spekulationen rund um das Thema “Wahlfälschungen und was dort zu erwarten ist”. Also abwarten.

Wenden wir uns daher dem zweiten Hauptthema der НОВОСТИ ВОСТОКА 44/2011 zu, den Geschehnissen in Südossetien.
Da international weitestgehend nicht anerkannt, haben die dortigen Stichwahlen für das Präsidentenamt am vergangenen Sonntag wenig Aufmerksamkeit erregt.
Der offensichtliche Sieg der Kandidatin der Opposition Alla Dschiojewa über den prorussischen Regierungskandidaten und die unterbliebende offzielle Bestätigung des Wahlergebnisses, ja sogar seiner höchstrichterlichen Annulierung durch das Verfassungsgericht Südossetiens, hat das Land an den Rand einer sogenannten “Farbrevolution” geführt. Noch gestern erwarteten Beobachter bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen, jetzt ist die Rede vom generalstreik ab morgen. Ein Ultimatum der Opposition an den amtierenden Präsidenten Kokoity folgt dem anderen.
Insider werten das Geschehen als schwere Niederlage des Kreml. Was nun kommen wird, ist völlig ungewiss.
Weitere Themen der НОВОСТИ ВОСТОКА 44/2011 waren die neuen Aktivitäten Russlands auf militärischem Gebiet und die Geschehnisse rund um die Erdgaslieferungen Russlands an seine Nachbarn Ukraine und Belorussland.
Interessant in diesem Zusammenhang: GAZPROM hat auch das restliche, ihr noch nicht gehörende Aktienpaket am belorussischen Gasmonopolisten BELTRANSGAZ für 2,5 Milliarden USD aufgekauft, ist nun Alleinaktionär und beherrscht damit den Erdgasmarkt im westlichen Nachbarland.
Den Schlusspunkt setzten wir diesmal mit einer akturellen Fotoserie vom Wahltag aus verschiedenen Regionen Russlands.

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Botschaft mit geringem Echo – Dmitri Medwedjew auf dem G 20 – Gipfel in Cannes. Teil 3

In einer Einführung der Anlage zur Botschaft Dmitri Medwedjews an das G 20-Treffen Anfang November hatte das russische Staatsoberhaupt zunächst erläutert, worin er die Ziele einer Neufassung der Berner Konvention zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst (Konvention) unter Berücksichtigung der Herausforderungen der modernen Kommunikation via Internet sieht.

In einem zweiten Abschnitt präzisierte er dann diese Herausforderungen in drei Punkten:

1. Im Internet gibt es zwischen den Nutzern und den Urhebern intellektueller Inhalte (im weiteren Content genannt) keine bilateralen Beziehungen im Sinne des tradtionellen Urheberrechts.
Vielmehr treten informelle Vermittler (Provider, Webseiteninhaber etc.) in dieses Zweierverhältnis ein. Der Content wird dann nicht nur zwischen Urheber und Nutzer, sondern auch zwischen den Nutzern als solchen ausgetauscht.
Während also bis dato Nutzer schöpferische Werke (Bücher, Audioaufzeichnungen, Filme, Software) diese eher „passiv“ nach aufwendiger Vervielfältigung durch Druckerein, Ton- und Filmstudios rezipierten, erfährt der Content nun durch das WWW eine massenhafte Vervielfältigung und freie Verwendung, obwohl diese Nutzungsrechte Dritten zustehen.

2. Der Verstoß gegen ausschließliche Urheberrechte am Content hat durch das Internet massenhaften Charakter angenommen.
Gleichzeitig ist der Umgang der Urheber mit diesen Rechtsverletzungen durchaus ambivalent.
Die einen fordern eine striktere Handhabung von Autoren- und Urheberrechten zu ihren Gunsten vor allem durch die Informationsvermittler.
Die anderen bewegt dieses Problem überhaupt nicht. Sie haben indirekte Möglichkeiten für sich erschlossen, den Content zu vermarkten, z. B. durch die Schaltung von Werbung auf den entsprechenden Websites.

3. Der fortschreitende Einfluss des Internets hat bei dessen Nutzern auch psychologisch hohe Ansprüche und Erwartungen entstehen lassen.
Sie sind so nicht bereit, sich juristischen Einschränkungen der Nutzungsrechte am Content zu unterwerfen, da dieser für große Teile der Gesellschaft auch wichtigste Wissens- und Erkenntnisquelle ist.

Als Ziel und Aufgabe einer Neufassung der Konvention sieht Medwedjew nun die Anpassung existierender internationaler Rechtsnormen im Urheberrecht an die teilweise Absage moderner Gesellschaften an materialisierte Kopien intellektueller Leistungen (z. B. Literatur- und Kunstwerke) und dem Streben nach digitalen Angeboten, dem Content.
Nicht weniger wichtig sei es, neue, international vereinheitlichte Modelle der Verbreitung des Contents im WWW unter teilweisen Verzicht der Autoren und Urheber auf ihre Rechte am geistigen Eigentum zu finden.

Wie aber methodisch dies bewältigen?

An den Anfang stellt Medwedjew hier die vergleichende Analyse bereits existierender oder in Erarbeitung befindlicher nationaler Rechtsnormen zum Umgang mit Urheberrechten und Rechtsansprüchen auf den Schutz gestigen Eigentums.
Gleiches gelte für die einschlägige Rechtssprechung von Gerichten bei entsprechenden Streitigkeiten.
Sorgfältig sei zu erfassen, wie die WIPO-Abkommen von 1996 für Aufführungsrechte und Audioaufzeichnungen bzw. für Autorenrechte in nationale Gesetze eingeflossen seien.
Auf dieser Grundlage und zusätzlichen durch interessierte Staaten zur Verfügung gestellte Informationen sowie unter Berücksichtigung moderner Geschäftsmodelle bei der kommerziellen Vermarktung und nichtkommerziellen Nutzung des Contents wäre ein abgestimmter neuer Entwurf der Konvention vorzulegen, der im Einklang mit den Regularien der Konvention selbst zu diskutieren und zu verabschieden wäre.

Demnächst: Teil 4 – Grundlegende Arbeitsschritte; Zwischenkontrolle der Arbeitsergebnisse

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Die INFORMATIONEN 10/2011 zu den Duma-Wahlen in Russland am 4. Dezember

Die INFORMATIONEN 10/2011 sind diesmal als Sonderausgabe des TIMIRJASEVEZ zu den Duma-Wahlen in der Russischen Föderation am 4. Dezember konzipiert.
Spätestens am 24. September, im ersten Teil des Wahlparteitages von “Einiges Russland”, wurde klar, dass diese Wahlen nicht den Hauch anstehender Reformen haben, der 2007 noch zu verspüren war.
Das Tandem Medwedjew-Putin wechselt einfach die Plätze und der im kommenden März auf seinen angestammten Platz zurückkehrende Ex-Staatspräsident gab schon am 23. November dem neu zu wählenden Parlament vor, wo er für die Periode bis 2020 die Duma verortet sieht.
Laut KOMMERSANT formulierte er nach der letzten Plenarsitzung der Duma der 5. Legislaturperiode vor der Fraktion von “Einiges Russland” die Aufgabe, erneut eine komfortable Mehrheit in der Duma zu gewinnen, auch wenn es für eine verfassungsändernde Quote nicht reichen wird.
Denn natürlich sei das Parlament der Ort für Diskussionen und Streit, aber vor allem gelte es, schnell zu entscheiden. Das vermisse er in Europa, dies schade der Konsolidierung der dortigen Gesellschaften. Deshalb müsse das russische Unterhaus ggf. bereit sein, in Krisenzeiten Vollmachten an die Regierung abzutreten.
Deren Chef wird Dmitri Medwedjew heißen und so zeichnet sich ein Weg ab, den man mit den Stichworten “Imperiales Großrussentum staatlicher Prägung” und “Militärische Konsolidierung” umschreiben könnte: Mehr Russland und mehr Armee!
Die Duma-Wahlen sind wichtig für Russland, doch die Weichen werden letztendlich am 4. März 2012 gestellt.

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Präsidentschaftswahl am 4. März 2012 – НОВОСТИ ВОСТОКА 43/2011

Heute hat sich der Föderationsrat, sozusagen das Oberhaus der Föderalen Versammlung Russlands, festgelegt: Die Wahl des nächsten Präsidenten der Russischen Föderation findet am 4. März 2012 und damit auf den Tag genau drei Monate nach den Duma-Wahlen statt.
Hintergründe und gesetzliche Grundlage erläutern wir dazu in den НОВОСТИ ВОСТОКА 43/2011.
Für morgen ist dann die Veröffentlichung des Termins in der ROSSISKAYA GAZETA, dem offiziellen Mitteilungsblatt von Präsident, Föderaler Versammlung, Staatsduma und Regierung, vorgesehen und übermorgen treffen sich dann die Delegierten zum zweiten Teil des September-Wahlparteitages von “Einiges Russland”, um Wladimir Putin offiziell als Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei zu nominieren. Einzige Redner werden Putin selbst und Medwedjew sein, die sich anschließend mit den Spitzenkandidaten aus den Gebieten und Regionen treffen wollen.
Natürlich begann in der Öffentlichkeit heute gleich das Rätselraten, wer in den aussichtslosen Kampf gegen Putin ziehen wird, dem bereits im ersten Wahlgang zwischen 63 und 75 % der Stimmen vorhergesagt werden.
Zwei Personen scheinen gesetzt, sie sind sozusagen Dauergegenkandidaten: Wladimir Schirinowski wird sicher auf dem Wahlparteitag der russischen Liberaldemokraten am 13. Dezember nominiert und für Genadij Sjuganow wird ähnliches vom höchsten Organ der russischen Kommunisten KPRF vier Tage später erwartet.
Ungewissheit dagegen bei “Gerechtes Russland”: 2008 hatten diese die Kandidatur Dmitri Medwedjews unterstützt, wollen diesmal aber einen eigenen Vorschlag unterbreiten. Als Geheimfavoritin gilt dafür die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei in der Duma Oksana Dimitrijewa, doch winkt diese öffentlich immer wieder ab und erklärt, was sein werde, entscheide man nach dem 4. Dezember.
Und sonst? Im sogenannten “rechten” Spektrum keine Personen mit Profil, vereinzelt werden die Namen von Dmitri Rogosin, Nationalist und Russlands Ständiger Vertreter bei der NATO, und von Iwan Ochlobystin, Schauspieler und Regisseur, bekannt geworden als “Vater Iwan” im Dauerclinch mit der Russisch-Orthodoxen Kirche genannt.
Doch müssten beide als Einzelbewerber der Zentralen Wahlkommission zwei Millionen Unterstützerunterschriften vorlegen, um nominiert zu werden.
Das traut man, wenn überhaupt, eher Grigorij Jawlinski, dem Wirtschaftsmanager und Vorsitzenden der neoliberalen Partei “Jabloko”, aber auch Michail Prochorow zu.
Letzterer, lange Zeit durch seinen Vorsitz der Partei “Die rechte Sache” als dritter Mann neben Medwedjew und Putin genannt, könnte aber höchsten auf zwei bis drei Prozent der Stimmen kommen.
Doch genug von den Präsidentschaftswahl.

Diese Woche hat sich in Moskau ohnehin sehr deutlich gezeigt, wodurch viele Russen eher zu bewegen sind.
Der unerwartete Ansturm zehntausender russisch-orthodoxer Gläubiger Tag und Nacht auf die in der Christus-Erlöser-Kathedrale ausgestellte Reliquie Gürtel der Allerheiligen Gottesmutter übertraf alle Erwartungen der Organisatoren und sorgte für ein Verkehrschaos in der russischen Hauptstadt.

Was uns noch in den НОВОСТИ ВОСТОКА 43/2011 bewegte?
Natürlich die Erklärung des russischen Präsidenten über die militärischen Gegenmaßnahmen als Antwort auf die USA- und NATO-Pläne für ein Raketenschutzprogramm in Europa.
Wir berichteten zudem über das Verhältnis der studentischen Jugend in Moskau zu den bevorstehenden Wahlgängen und schilderten einen neuen, selbst für russische Verhältnisse ;-) unfassbaren Fall von Korruption.
Nicht zu vergessen natürlich der Abschluss des Vertragswerkes zwischen Belorussland, Kasachstan und Russland über die Bildung eines Einheitlichen Wirtschaftsraumes, die inhaltliche Fortentwicklung der Zollunion.
Daneben gab es auch wieder Neues aus der Ukraine und selbstverständlich die Erinnerung an den 300. Geburtstag von Michail Wassiljewitsch Lomonossow.

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