ROSSELCHOSBANK: 2011 schlechtestes Ergebnis der Firmengeschichte

Als die ROSSELCHOSBANK 2000 als in staatlicher Hand befindliches Kreditinstitut gegründet wurde, war seine strategische Ausrichtung natürlich klar.
Mit ihr entstand eine Art Hausbank für landwirtschaftliche Geschäftsvorhaben aller Art und Eigentumsformen, unabhängig von deren volkswirtschaftlicher Bedeutung oder individualwirtschaftlicher Größe bis hin zum Verbraucherkredit vor allem für die auf dem Lande lebenden Bürger.
Dabei kalkulierte man auch bewusst naturbedingte Kreditausfälle in der Gewissheit ein, das diese der Staat kompensieren würde.

Nun legte die ROSSELCHOSBANK ihren Geschäftsbericht 2011 vor und das Ergebnis ist ernüchternd.

Während administrativ das landwirtschaftliche Gesamtergebnis mit seinen Rekorden 2011 nach dem mageren Ergebnis des Landwirtschaftsjahres 2009 – 2010 (Trockenheit, Hitze, Brände, Ertragsausfälle) lauthals bejubelt wurde, sprechen die nackten Zahlen für die ROSSELCHOSBANK eine völlig andere Sprache und begründen u. a., warum das Finanzierungsunternehmen der Bauern kürzlich seine Kreditbedingungen verschärfte und nun bessere und stärkere Sicherheiten für Darlehen aller Art verlangt.

2011 erwirtschaftete die ROSSELCHOSBANK lediglich einen Gewinn nach Steuern von 58 Millionen Rubel, schlechtestes Ergebnis der Firmengeschichte und mit Abstand auch schlechtestes aller staatlichen Geschäftsbanken Russlands.

Die Erklärung dafür ist einfach: Die Bank bildete 2011 Rückstellungen für landwirtschaftliche Kredite, die ausgereicht wurden, um die Folgen des Dürrejahres 2009 – 2010 zu überwinden in Höhe 22,6 Milliarden Rubel, von denen man bange hofft, sie zum Ende 2014 auflösen zu können.

So wuchs denn das Kreditportfolio des Unternehmens um 31 %, doch die Zinseinnahmen nur um 7,9 %. Verständlich, ist doch eine Geschäftsgrundlage der Bank die Niedrigzinspolitik, um günstig Darlehen an Agrarerzeuger ausreichen zu können.

Auch problematisch: 15 % aller Darlehen sind nun Kredite für natürliche Personen, wesentlich mehr als noch ein Jahr zuvor.
An dem oben genannten Zuwachs des allgemeinen Kreditvolumens haben diese einen Anteil von 147,4 Milliarden Rubel bzw. 47 %, wovon nur 62 Milliarden als Betriebsmittelkredite an individuelle Hauswirtschaft, der Rest aber als Konsum(Raten)-Darlehen ausgereicht wurden.

Zudem steigerte die Bank ihre liquiden Mittel von 81 auf 134 Milliarden Rubel, dies jedoch aufwändig erkauft infolge einer drastischen Verteuerung von Liquidität im Verlauf des Jahres 2011.

Verschwiegen wird zumeist ein weiterer, durchaus komplizierter Sachverhalt für das Geschäftsergebnis der Bank.
Zu ihren Aktiva gehören auch Anteile an bzw. ganze landwirtschaftliche Unternehmen, die höchst defizitär waren oder noch sind. Ihrer nahm sich über das Kreditinstitut aus nachvollziehbarem politischen Kalkül der Staat an. Das aber drückt aufs Geschäftsergebnis.

Mag es in dieser Hinsicht die ROSSELCHOSBANK vielleicht doch stärker treffen als andere staatliche Geschäftsbanken, so ist doch auch jenen dieses systematische Problem wohlbekannt.

Arkadij Dworkowitsch, Berater des scheidenden Staatspräsidenten Dmitri Medwedjew, wies erst gestern in einem ausführlichen Interview für RIA Novosti darauf hin.
Als ein Fazit der Amtszeit des Staatsoberhauptes nannte er u. a., dass staatliche Geschäftsbanken infolge der Finanzkrise 2008/2009 gezwungen wurden, Anteile an krisengeschüttelten Bauunternehmen (WTB – Außenhandelsbank, Sberbank), Handelsfirmen (Sberbank) und anderen Kreditinstituten (WEB – Außenwirtschaftsbank) zu übernehmen, wo sie verblieben sind und das Geschäftsergebnis dauerhaft verschlechtern.

Doch wird es zukünftig einfacher oder muss die ROSSELCHOSBANK mit ihren Kreditnehmern gemeinsam zittern?

Das ist zu befürchten, erinnert man sich doch schnell an die dunklen Wolken, die sich infolge des WTO-Beitritts Russlands über die Landwirtschaft legen könnten.
Allen öffentlichen, zweckoptimistischen Verlautbarungen zum Trotz!

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Liebe Leserin, lieber Leser,

nach reiflichem Überlegen haben wir uns nun doch entschieden, diesen Blog weiterzuführen und voll auf Meldungen rund um die russische Landwirtschaft auszurichten.
Die an dieser Stelle bisher vorgestellten Neuigkeiten aus dem Verein und unsere Publikationen finden Sie zukünftig ausschließlich auf unserer Vereins-Website.

Also nochmals, danke für Ihre Treue!

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Ein frohes Osterfest!

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Feuer in Moskau – НОВОСТИ ВОСТОКА 07/2012

Es ist schon eine längere Zeit vergangen, dass wir an dieser Stelle einen Newsletter vorgestellt haben.
Erst heute sind die НОВОСТИ ВОСТОКА 07/2012 erschienen, wobei natürlich der Brand im Turm “Ost” des Baumassivs “Föderation” des Geschäftskomplexes “Moskau-City”, immerhin im 66. bzw. 67. Stock des jetzt 260 m hohen Bauwerks, welches einmal das höchste in Europa sein wird.
Ging es dort noch glimpflich ab, so kamen heute morgen bei einem Wohnheimbrand am Rande des Katschalow-Rynok im Süden Moskau mindestens 15 Personen ums Leben.
Doch nicht die Toten waren heute das Thema in den deutschen Medien, sondern die spektakulären Bilder vom Brand auf der Höhe des Wolkenkratzers.
Daneben publizierten wir in den НОВОСТИ ВОСТОКА 07/2012 nochmals den auch hier im Blog angebotenen Beitrag “68 Komitees” von Maria Schelesnowa, erzählten von den Vorhaben rund um das Kinderkaufhaus “Detskij Mir” in Moskau und das neue Pflichtschulfach “Grundlagen der Religion” für die russische Schule.
Die russischen PIRATEN, Medwedjews Gespräche mit der “nichtsystemischen Opposition – ein Thema der НОВОСТИ ВОСТОКА 07/2012 war der Fortgang der politischen Reformen in Russland.
Wir berichteten aber auch über die Paraphierung des Assoziierungsabkommens EU – Ukraine , die Ausfälligkeiten Mitt Romneys, des designierten Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner, gegen Russland und das Dementi Putins, er wolle nach seinem Amtsamtritt am 7. Mai keine ihm direkt unterstehende Nationalgarde schaffen.
Dies und noch mehr in den НОВОСТИ ВОСТОКА 07/2012.

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Die Schlacht um Kiew

Vorbemerkung. Der Übersetzer des folgenden Textes durfte selbst die ukrainische Hauptstadt Kiew intensiv kennen und lieben lernen. Er teilt die Ansicht, dass sie vielleicht eine der schönsten Metropolen der Welt ist. Unter Umständen hat mancher Leser ein ähnliches Empfinden.
Daher erschien der Artikel Pawel Scheremets wie ein Hilferuf, den man auch in Deutschland hören sollte.

Die Schlacht um Kiew

Von Pawel Scheremet, exklusiv für die UKRAINSKAYA PRAVDA

Es hat sich der Umstand ergeben, dass ich die meiste Zeit dieses Jahres in Kiew verbringen werde. Anstelle der Morgengymnastik mache ich daher meine Runde im Zentrum von Kiew, um die Struktur der Stadt zu begreifen und mögliche Routen für anregende abendliche Spaziergänge zu finden. Ich suche attraktive Plätze für meine Moskauer Freunde, um die als Gäste an den neuen Ort zu locken.

Allerdings muss ich gestehen, einigermaßen verärgert zu sein, wenn ich so durch das frühlingshafte Kiew wandere. Dabei rede ich nicht von den Eisbrocken, die mich vor einigen Wochen fast erschlugen, beschwere mich nicht über die aufgerissenen Bürgersteige oder die unregelmäßig geleerten Abfallbehälter.
Fahre im Winter nach Sankt Petersburg und kehre von dort lebendig und auf zwei Beinen zurück – auch ein großes Glück.

Es gibt nicht so viele fußläufig erreichbare Plätze in Kiew, die man als Tourist unbedingt gesehen haben muss. Und in den letzten Jahren verschwinden mehr interessante Ecken in der Stadt, als neue hinzukommen.

Die Malerische Allee (1) ist eine seltene Ausnahme. Einer meiner Lieblingsplätze. Hier gibt es Atmosphäre und eine schöne Geschichte, anheimelnd für die Menschen, die Stimmung aufhellend. Das klassische Beispiel dafür, wie eine Attraktion entsteht, ein Anziehungspunkt für Städter und Touristen.

Nun aber schlendern Sie entlang kleiner Skulpturen und schauen von oben geringschätzig herab auf das anspruchslose Neugebaute des Stadtbezirks der Reichen – Koschemjaki (2) . Eine Bebilderung der wissenschaftlicher Forschungen, wie man die Stadt entwickeln will. Einerseits das kulturelle Phänomen der Malerischen Allee als Mittelpunkt eines lebendigen Raumes und anziehend für immer mehr Menschen und auf der anderen Seite ein ganzer Bezirk, in den man gewaltig investiert hat, der aber an eine tote Stadt erinnert.

Kiew ist die Hauptstadt der unabhängigen Ukraine, geografisches, intellektuelles und politisches Zentrum des Landes, aber nicht der Platz, um sich schnell zu bereichern. Wenn ihr Kiew nicht erhaltet, gibt es im ganzen Land Probleme.

Deshalb müssen die Kiewer die Malerische Allee bewahren. Unterliegen sie, wird Kiew noch ärmer.

Mir scheint, Kiew wird von irgendeiner unsichtbaren Kraft zerstört. Es verschwindet als Gesamtheit miteinander vernetzter legendärer Plätze, die es so in anderen Städten nicht gibt. Es verblasst das Gesicht der ukrainischen Hauptstadt.

Verständlich: Eine Stadt wandelt, wächst und entwickelt sich, doch muss sie im Kern dieselbe bleiben. Oder aber dieser wird höchst vorsichtig modernisiert. Umso mehr, wenn es um die Landeshauptstadt geht.

Herz der Stadt sind nicht die Residenz des Präsidenten oder das Haus der Trugbilder (3). Das sind nicht der Maidan (4) und das Weib mit der Garbe (5) . Das sind nicht der an arbeitsfreien Tage gesperrte Chrestschatik (6) oder das von Touristen übervölkerte Lawra (7) .
Wichtig ist nicht das punktuelle Aufflammen gewesener und moderner Kultur, damit man von einem Denkmal zum anderen eilt, ohne Blick für die Dinge am Rande.
Wichtig ist der kulturelle Lebensraum, erfüllt von Legenden. Und eben diesen zerreißt man gerade in Stücke.

Es erdrücken die „steilen Zähne“ der Geschäftszentren aus Glas und Beton, die den schönen Anblick trüben und alte Gebäude verdecken. Nun gut, hätte man doch auf dem linken Ufer alles das aus Glas und Beton errichtet.
So aber fährt man über die Dnepr-Brücke, vom Flughafen kommend, und muss auf den Hügel rechts zwei Roboter-Häuser erblicken. Wie sie miteinander verbunden so dastehen, gruselt es dem Betrachter. Besonders abends, wenn sie beleuchtet sind. Dann scheint es so, als seien in Kiew die Gromoseki (8) gelandet.

Danach geht es den Boulevard Lesja Ukrainka (9) hinab Richtung Stadtzentrum und an der Kreuzung mit der Straße Esplanada sehen Sie ein gewaltiges Stück Milchglas, an die zwanzig Etagen. Und sofort ist Ihre Stimmung dahin.

Die „steilen Zähne“ verfolgen die Kiewer und ihre Gäste in der Hauptstadt überall. Ok, wenn dies mehr oder minder so im Stile eines pseudorussischen Klassizismus und versteckt auf dem Hinterhof passiert. So wie das Hotel Ibis auf dem Boulevard Schewtschenko oder das Geschäftszentrum Achmetows (10) gegenüber der Oper. Dieses erstrahlt abends besonders schön.

Aber warum ist die Oper nicht ebenso beleuchtet? Achmetow sponsert den ukrainischen Wettbewerb OpenAirPhoto und die Häuser sind verhängt mit Bildern der Preisträger. Billig und ärgerlich, denn Kiew braucht nicht irgendwelche Verschönerungen, sondern eines Konzepts für seine Bewahrung und Fortentwicklung.

Das Neugeschaffene erregt alle, aber die gläsernen Gebilde schneiden sich weiter hinein in den Körper der Stadt, daran beteiligen sich auch jene, die dies eigentlich stört.
Ich erinnere mich, wie der Produzent Rodnjanskij (11) sich empörte, dass Kiew derart verbaut würde, um dann selbst ein hässliches, 25-etagiges Hotel auf dem Boulevard Schewtschenko zu errichten. Was geschieht hier eigentlich?

Offenbar ist es so, dass die Bauherren und jene, die ihnen das Bauen gestatten, Kiew nicht als ihre Heimatstadt begreifen. Jener Rodnjanskij kam aus Moskau hierher, gab dort seine Vorhaben auf, doch um sein hier Leben zu vollenden, kehrte er nicht nach Kiew zurück. Sich an alte Zeiten erinnernd, erschien ihm die Stadt vilmehr als Plätzchen, um viel Geld zu verdienen. Es ist wohl so, dass viele einheimische Geschäftsleute ein ähnlich utilitäres Verhältnis zu Kiew haben.

Dabei war dies ebenso charakteristisch für die orangene (12) Macht, wie es jetzt für die blaue (13) ist. Alle Herrschenden sind hier Zugereiste, die einen aus dem Westen, die anderen aus dem Osten. Sie sehen Kiew nicht als ihre Heimat an, nicht einmal als Hauptstadt einer, ihrer Heimat.

Die häufigen Machtwechsel bringen so ein Stehlen mit sich, man setzt sich in den großen Sessel, eignet sich den Staatshaushalt an und verschwindet, soweit es nur geht, ansonsten wird man festgesetzt.
Es gibt immer Menschen, die auf dem Platz einer Kirche eine Spaßbad errichten wollen und auf dem Lawra ein 25-stöckiges Hotel. Überall könnte man alles, was da ist, schleifen und an dieser Stelle ein elitäres Haus bauen.

Aber es muss einen Schutz vor Dummen und Dieben geben. Der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, dass die Zerstörung des historischen Kiew der Stadt perspektivisch die Attraktivität nimmt.

Wegen des Glases und des Betons werden die Russen nicht kommen, das haben sie zuhause genug. Die Menschen zieht es hierher, weil in Russland etwas längst verloren ging, vielleicht aber auch nie existierte – das Empfinden für die Zeiten und den Atem Europas.

Sie möchten spüren, wie jene lebten, die man seine Ahnen nennt, und sehen, wie man in den vom Imperialen freien Teilen der Stadt wohnte. Genau das möchten auch die Touristen aus Europa, sehen, wo die zivilisatorische Grenze verlief, dort, wo der Westen auf den Osten traf.
Wenn sie diese albernen Geschäftszentren sehen, könnten sie aber fälschlicherweise meinen, China begänne schon am Dnepr.

Originaltext, 16. März 2012

Erläuterungen

(1) Malerische Allee – Grünanlage auf den zugeschütteten Wehranlagen der Kiewer Oberstadt
(2) Koschemjaki – eigentlich Gontschary-Koschemjaki, altes Wohnviertel an der Grenze der Stadtbezirke Schewtschenko und Podolsk, neues Wohngebiet mit einstöckigen Häusern
(3) Haus der Trugbilder – übertragen für das Parlamentsgebäude, das Haus der Werchowna Rada
(4) Maidan – kurz für Maidan Nesaleschnosti (Unabhängigkeitsplatz), Zentrum der Hauptstadt
(5) Übertragen für die Lesja Ukrainka, weibliche Skulptur mit Getreidegarbe auf der Spitze der Säule auf dem Maidan
(6) Berühmte Haupt- bzw. Prachtstraße im Zentrum Kiews
(7) Lawra – kurz für Petscherskaja Lawra (Höhlenkloster), ältestes christliches Kloster, bereits 1118 urkundlich erwähnt, vermutlich im 9. Jhd. n. Ch. gegründet, Nationalheiligtum und –denkmal, Namenspatron des Stadtbezirks Petschersk
(8) Gromoseki – unterschiedliche Figuren aus der Fantasie der beliebten Kinderbuchreihe über Alisa Selesnjowa, 2065 bzw. 2070 in Moskau geborene Romanheldin des Schriftstellers Kir Bulytschew und in den Trickfilmen „Das Geheimnis des dritten Planeten“ und „Der Geburtstag von Alisa Selesnjowa”
(9) Lesja Ukrainka – Pseudonym von Larissa Petrowna Kosatsch-Kwitka (1871 -1913), ukrainische Nationaldichterin und Schriftstellerin
(10) Rinat Achmetow (*1966): Milliardär und Unternehmer aus Donezk, gilt als reichster Mann der Ukraine, Besitzer des Fußballklubs „Schachtjor Donezk“
(11) Alexander Jefimowitsch Rodnjanskij (*1961) – bekannter russisch-ukrainischer TV- und Filmproduzent, Regisseur, entstammt einer berühmten Dynastie sowjetischer Kinematografen
(12) Farbe der „orangenen Revolution“ bzw. des bis 2004 und heute wieder oppositionellen Parteienbündnisses unter dem späteren Staatspräsidenten Viktor Juschtschenko und der Ministerpräsidentin Julia Timoschenko
(13) Farbe der Regierungspartei „Partei der Regionen“ und des seit 2010 amtierenden Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch

(c) für Übersetzung und Anmerkungen: FREUNDESKREIS TIMIRJASEV E. V., 2012

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68 Komitees

Von Maria Schelesnowa

Achtundsechzig Organisationskomitees noch nicht registrierter Parteien haben für diese die Zulassung im Justizministerium beantragt. So das Mitglied von „Einiges Russland“ Wladimir Pligin. Die Aussichten auf Zulassung sind glänzend: Das neue Parteiengesetz, welches sich die Staatsduma anschickt, noch diese Woche zu beschließen, gibt praktisch grünes Licht für alle diese Vorhaben.
Mit der Registrierung nach neuen Grundsätzen – minimale Zahl von Parteimitgliedern, nur wenige erforderliche Dokumente, ein Minimum an Schikanen seitens des Justizministeriums – könnte dann schon im April – Mai begonnen werden, damit die neu entstandenen Organisationen so rasch wie möglich an Wahlen teilnehmen können.

Auf den ersten Blick die unerwartete Großzügigkeit eines Systems, dessen drakonischen Anforderungen in dieser Frage bisher nur sieben Parteien entsprechen. Eine Freiheit, errungen durch die Kundgebungen Hunderttausender bei zwanzig Grad Frost.
Und all diese Erscheinungen auf der Liste der Justizministeriums – die Liberale, die Konservative, die Patriotische, die Monarchistische und die Partei der Autokratie, die Partei der Netokraten, die Subtropische Partei, die Partei der Zukunft und die KPdSU, die Kommunalwirtschaftliche und Mieterpartei, die Partei der Bierliebhaber, die Pirazzkaja (ja, mit zwei „z“), die Weltweite Bruderschaft der Kosakenabteilungen und sogar die Partei „Ohne Namen“ – sie alle bekommen den Status einer politischen Partei und treten zu Wahlen an, wobei dann der Rekord von 1995 bei der Wahl zur zweiten Staatsduma noch überboten wird, damals standen auf den Ergebnislistenlisten der Abgeordneten der Staatsduma 43 Parteien.

Der Wahlzettel ist eine meterlange Rolle, die Wähler können sich Cohibas daraus drehen.

Und die Fünf-Prozent-Hürde überwinden nur vier Parteien.

Als erstes Opfer der Liberalisierung des Parteienrechts könnten sich ausgerechnet die Rechten erweisen, die viele Jahre eine Vereinfachung der Zulassung forderten und dafür erfolglos die Gerichte bis hin zu dem in Straßburg anriefen.
Ja, jetzt werden sie zugelassen, doch müssen sie das ohnehin nicht große Wählerpotenzial der Demokraten nun mit dutzenden Zwergen, darunter welchen im Hosentaschenformat oder gar als Scheinpartei, teilen. Ein jeder möge seinen Happen abbeißen, aber das Stück ist eben bescheiden.

Die Zwerge naschen auch bei den Linken, deren sind es auf der Liste des Justizministeriums auch mehr als ein Dutzend. Sie beschneiden auch die Patrioten. Da gibt es dreimal „Die Heimat“, zwei „Heimatparteien“, drei Kosakenparteien, zwei zum russischen Volk und einmal „Heiliges Russland“. Und sogar „Die guten Menschen Russlands“ gibt es in zwei Varianten. Nun finde dich zurecht, ob sie auch die guten sind. Ganz zu schweigen davon, ob sie es verdient haben.
Verführt da nicht ein vernebelter Blick dazu, doch wieder die alten Bekannten zu wählen?

Und diese sind dann eben nicht die guten Leute. Aber wenigstens keine Zwerge.

14. März 2012 für VEDOMOSTI.RU

Originaltext

(C) für die Übersetzung: FREUNDESKREIS TIMIRJASEV e. V., 2012

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Putin 2.0 – НОВОСТИ ВОСТОКА 6/2012

Natürlich, in den letzten Wochen geschah vieles in Russland und inmitten unserer kleinen Zwangspause wurde Wladimir Putin mit 63,6 % der abgegebenen Stimmen im ersten Wahlgang zum neuen russischen Staatspräsidenten gewählt.
Da ist es wohl nicht verwunderlich, dass wir in den НОВОСТИ ВОСТОКА 6/2012 einen kleinen Rückblick wagten und die spannende Frage aufwarfen, ob es nun im Spiegel einer abebbenden Opposition der Straße einen Putin 2.0 geben wird.
Natürlich blieben auch die Versuche des raschen Kehrauses der Medwedjewschen Politik seitens “Einiges Russland” in der Duma nicht unbemerkt, dort arbeitet man sowohl an der Abschaffung der Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr wie auch an der Wiedereinführung von Sommer- bzw. Winterzeit.
НОВОСТИ ВОСТОКА 6/2012 notierten daneben das Zusammentreffen von Putin und Medwedjew mit Italiens Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Olympischen Ski- und Rodelzentrum Krasnaja Poljana bei Sotchi, vermerkten das Verbot des russischen Kinofilms “August. Der Achte” in der Ukraine und berichteten über die Ausstellung “Mode hinter dem Eisernen Vorhang – Wie sich sowjetische Frauen kleideten” in Zaryzino bei Moskau, die noch bis zum 12. Juni geöffnet wird.
Dies und noch mehr wie immer in den НОВОСТИ ВОСТОКА 6/2012.

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Politische Ausblicke: Dmitri Rogosin und „Die Außenpolitik Russlands. Es ist nützlich, Führer zu sein“

Natürlich: Drei Tage vor dem Urnengang zu den Präsidentschaftswahlen ist die Stimmung vor allem in der Metropole Moskau und in der Hauptstadt des russischen Nordens St. Petersburg nicht nur angespannt, sondern heizt sich immer mehr auf.

Wladimir Putin und seine Mannschaft schlagen eine selbstbewusste ideologische Schlacht, nutzen alle Potenzen der getreuen Medien und warnen zugleich die außerparlamentarische Opposition mit deutlichen Worten vor ungesetzlichen Aktionen.
Moskaus Bürgermeister Sobjanin erklärte gestern, man werde die öffentlichen Plätze für friedliche Demonstrationen frei halten, Zeltstädte a la Kiewer Maidan Nesaleschnosti oder Provokationen und Gesetzesverstöße aber nicht dulden.

Die außerparlamentarische Opposition agitiert mit aller Kreativität dagegen, ihr Mittel der Wahl ist das Internet, wobei sie in der Sache nicht offensiver, sondern eher aggressiver als der politische Gegner ist.
Glauben Sie nicht? Hier ist ein Beispiel http://www.youtube.com/watch?v=zHTiEseyksY

Hier in Deutschland haben sich die Mehrheitsmedien entschieden und ergreifen uneingeschränkt Partei für die in Russland so genannte „nichtsystemische“ Opposition.
Was Putin betrifft (und nur diesen hat man im Visier!) gilt „Knallt das Monster auf die Titelseite!“.

Die politische Klasse schweigt dagegen. Mit gutem Grund.
Es gibt keinen Anlass anzunehmen, man müsse die deutsch-russischen Beziehungen in den nächsten Jahren nicht mit Wladimir Putin als Staatspräsident gestalten.
Ob und in wieweit es mit ihm dringend notwendige Reformen in der russischen Gesellschaft geben wird, bleibt abzuwarten.
Das gilt ebenso für die Frage, wie lange Dmitri Medwedjew Ministerpräsident unter Putin bleibt und ob bzw. wann ihn Ex-Finanzminister Aleksej Kudrin oder der Mann der privaten Wirtschaft Michail Prochorow ablöst.

Hier im Blog haben wir zu den Themen Nationalismus, Militär- und Außenpolitik versucht zu erhellen, für welche Strategien dabei Wladimir Putin steht.

Natürlich hat sich der Premier in seinen Grundsatzartikeln in verschiedenen Zeitungen auch zu anderen Politikfeldern geäußert, doch die genannte Troika ist sicher jener Themenkreis, der den ausländischen Beobachter in erster Linie interessieren muss.

In dem Artikel „Die Außenpolitik Russlands. Es ist nützlich Führer zu sein“ untermauerte nun gestern Dmitri Rogosin, einstiger Ständiger Vertreter Russlands im NATO-Hauptquartier Brüssel und heute Vizepremier, zuständig für alle Fragen der Landesverteidigung und des militärisch-industriellen Komplexes, die Positionen Putins.
Der Beitrag wurde zeitgleich auf der Internetplattform DOBROVOL.INFO und in der regierungsamtlichen ROSSIISKAYA GAZETA publiziert.

Zur Erläuterung des Zusammenhangs: Am vergangenen Sonntag konstituierte sich in Moskau im Rahmen der Gesamtrussischen Volksfront die Freiwillige Bewegung zur Unterstützung von Armee, Flotte und Rüstungsindustrie Russlands, deren Führer praktisch Rogosin ist.
Der Bewegung vereint unter ihrem Dach 500 Organisationen und Unternehmen, ihr Rückgrat bilden Aktive der Bewegung „Rodina. Kongress russischer (Auslands)Gemeinden“, Rüstungslobbyisten und die Kosakenschaft.

Nun verdeutlichte Rogosin in der o.g. Publikation die Ziele seiner Bewegung.

Unmissverständliche Ansagen schon im ersten Satz.
Russland kann sich nur auf sich selbst verlassen bzw.

In den Zeiten des Wirkens als russischer Vertreter bei der NATO habe ich mir oft die Frage gestellt, warum einem, befragt nach den Verbündeten Russlands, zuerst die bekannten Worte des Zaren Alexander III. in den Sinn kommen, dass unser Land nur zwei Verbündete hat, das sind die Armee und die Flotte.

Verständlich, dass der erste Satz des folgenden Abschnitts Die Stahlfaust im Glacéhandschuh deshalb mit dem Wort „Atomschild“ beginnt.
Russland werde den aus Zeiten der UdSSR übernommen Schutz durch strategische Kernwaffen aufrecht erhalten und wo notwendig ausbauen.
In der Außenpolitik eines Landes ist für dessen Autorität nichts bedeutsamer als dessen Wehrhaftigkeit, vor allem wenn man territorialen und ethnischen Konflikten, aber auch Bürgerkriegen nicht nur Getriebener, sondern Gestaltender sein wolle.
In den 1990er Jahren habe sich Russland vom Westen seine Außenpolitik diktieren lassen, spätestens aber seit der Rede W. W. Putins auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 sei dies vorbei.
Instabile internationale Beziehungen, organisiertes Verbrechertum, ethnischer und religiöser Extremismus, Drogenkriminalität, Herausforderungen, denen sich Russland selbstbewusst stelle.
Dabei lasse man sich in keinen Konflikt hineinziehen und werde alle Angriffe auf das Land und dessen Güter mit aller Härte zurückweisen.

Russland bleibt ein starker und einflussreicher regional and global player.

Die euroatlantische Region: Unteilbare Sicherheit oder Wald des Kumpels Wolf? stellte dann das Konzept einer „unteilbaren Sicherheit“ und den bekannten Vorschlag eines Vertrages über europäische Sicherheit in den Vordergrund.
Europa müsse sich entscheiden: Entweder es treibe durch eine falsch verstandene „strategische Partnerschaft“ an der Seite der USA (neue Waffensysteme, Raketenschutzschild) in eine neue Konfrontation, möglicherweise ein wieder aufflammendes Wettrüsten, hinein oder man entscheide sich für eine neue gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur.
Die russischen Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch.

Russland ist ein bedeutender Teil Europas und dessen letzte Hoffnung.

Aber auch wenn 42 % des russischen Territoriums in Europa liegen, so bleibe doch die asiatische Herausforderung, deren man sich am besten mit dem Putinschen strategischen Konzept einer „Eurasischen Union“ stelle (Der postsowjetische Raum – Basis der Eurasischen Union).

Überhaupt waren viele Passagen des Rogosinschen Artikel Zitate des Autors W. W. Putin aus dessen programmatischen Artikeln im Wahlkampf.
Woran das nur erinnerte … ;-)

Dmitri Rogosin gilt als russischer Nationalist, ja Ultranationalist, jedoch kommen seine Einlassungen dazu diplomatischer daher als die entsprechenden Aussagen Wladimir Schirinowskis.
Aus dieser Sicht, der Sicht von „Rodina – Kongress russischer (Auslands)Gemeinden“, war dann der Abschnitt Die Russische Frage in der russischen Außenpolitik vor allem einem gewidmet: der Staatsbürgerschaftsproblematik.
Im Ausland lebende ethnische Russen müssten denen auf russischem Territorium lebenden rechtlich vollständig gleichgestellt werden. Dabei solle man sich an der Praxis Deutschlands und Griechenlands orientieren.

Erinnert sich noch wer? Im September 2011 regte Rogosin an, eine russische Fremdenlegion nach französischem Vorbild ins Leben zu rufen. Dienen sollten in ihr vor allem Serben, die sich zu dieser Zeit um eine russische Staatsbürgerschaft bemühten …

Noch Fragen?

Quelle: http://dobrovol.info/novosti/91-liderombitvigodno.html

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Der Neue im Doppelpack – НОВОСТИ ВОСТОКА 5/2012

Versucht man in diesen Wochen die Neuigkeiten aus Russland zu sortieren, wird man fast zwangsläufig vom Informationsangebot im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag erdrückt.
Egal von welcher Seite aus: Wladimir Putin steht dabei stets im Mittelpunkt und es ist sicher nicht vermessen, ihn als den Neuen an der Spitze des russischen Staates schon jetzt zu bezeichnen.
So ist es denn nicht verwunderlich, wenn Zusammenfassungen zu zwei Grundsatzartikeln Wladimir Putins,hier im Blog im Wortlaut publiziert, im Mittelpunkt stehen.
Daneben berichten wir u. a. über ein Treffen Dmitri Medwedjews mit Vertretern der außerparlamentarischen Opposition am 20. Februar in Gorki, neueste Entwicklungen in der Partei “Die rechte Sache” und die Pleite des Reiseunternehmens Ланта тур бояж.

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Wladimir Putin: Russland und die sich verändernde Welt

Thematisch wohl geordnet, genau terminiert und geschickt platziert in den unterschiedlichen Printmedien und vorab auf der jeweils dazugehörigen Online-Plattform: So wurden sie mit Spannung nicht nur von der russischen Öffentlichkeit, sondern auch im Ausland erwartet, die politisch-programmatischen Grundsatzartikel, in denen der russische Premier Wladimir Putin die Vorhaben und Ziele seiner neuen (vorerst (!) dritten) Staatspräsidentschaft überaus deutlich formulierte.

Die verbale Vergangenheitsform ist dabei bewusst gewählt, denn sein Artikel „Russland und die sich verändernde Welt“, heute erschienen in den MOSKOVSKIYE NOVOSTI, das außenpolitische Manifest Putins, ist der letzte seiner Art vor dessen Wahl am kommenden Sonntag, bei der eigentlich nur offen scheint, ob möglicherweise ein zweiter Wahlgang nötig wird.

Missverständliches oder Ungewisses wird der Leser in den 12 DIN A4 – Druckseiten nicht entdecken, der Ministerpräsident spricht wie immer Klartext. Diesmal zu acht Aspekten der russischen Außenpolitik.

In Wer Vertrauen untergräbt und Die russisch-amerikanischen Dinge stehen dann auch NATO und vor allem die USA am Pranger.
Ständig neue Waffensysteme, territoriale Ausdehnung des Transatlantik-Pakts möglichst nah an die russischen Grenzen heran und der NATO-Raketenschutzschirm unter Ägide der USA : Für Putin völlig falsche Schritte in Hinblick auf mehr Zuverlässigkeit und Vertrauen in den multilateralen Beziehungen.
Ja, man habe Fortschritte mit den USA erreicht, man sei sich näher gekommen, aber einen grundlegenden Wandel in den bilateralen Beziehungen, frei von Stereotypen und Phobien, habe es bis heute nicht gegeben.
Die USA beharrten auch weiter auf einer Hegemonialstellung in dieser Welt und hätten die Herausforderungen derer Multipolarität noch längst nicht verstanden. Absichtlich!

Dem setzte Putin dann in Die wachsende Rolle des asiatisch-pazifischen Raums seine Sicht der Dinge auf die russischen Beziehungen zu China und Indien entgegen und vergaß ebenso wenig die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft wie Russlands verstärktes Engagement in der BRICS-Staatengruppe und in der G20.

Ein deutliches Wort Putins galt Europa (Der europäische Faktor):

Russland ist ein untrennbarer, organischer Teil des Großen Europa. Unsere Bürger verstehen sich als Europäer und es ist uns daher beileibe nicht gleichgültig, welchen Weg die Dinge im vereinten Europa nehmen.

Der Kontinent müsse sich dabei endlich auf seine eigenen Potenzen besinnen, die momentanen Finanz- und Wirtschaftsprobleme könne man nur im Inneren selbst lösen.
Russland wolle durch engere Beziehungen mit der EU seinen Beitrag dazu leisten.
So schlug der Premier vor, eine einheitlichen Wirtschafts- und Staatenraum vom Atlantik bis zum Stillen Ozean zu bilden, genannt die „Union Europas“, deren Rückgrat eine einheitlicher Energieversorgungskomplex sein könnte.
Leider verweigere sich die EU solchen Initiativen, vom leidigen Problem des visafreien Reiseverkehrs ganz abgesehen.

Besondere Sorgen mache sich Russland aber um die Gefahr der Weiterverbreitung von Atom-Waffen in der Welt, die auch von kleineren Staaten und Diktaturen als politische Druckmittel missbraucht werden.
Niemand könne dem Iran das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie verweigern, natürlich unter Kontrolle der IAEA, jedoch sei allein schon bedenklich, dass Nordkorea offensichtlich über einsatzbereite Nuklearwaffen verfüge.
Es sei höchste Zeit, dass sich die Atommächte mit strategischem Atom-Waffen-Potenzial hier auf neue Wege der Verhinderung einer Weiterverbreitung von derartigen Rüstungsgütern und -technologien verständigen (Neue Herausforderungen und Bedrohungen).

Gesonderte Überlegungen widmete Putin auch der Wirtschaftsdiplomatie mit deutlichen Hinweisen an die Welthandelsorganisation, den Umgang mit russischen Investitionsabsichten im Ausland und verbunden mit der Mahnung, jeder Wirtschaftspartner möge stets an die Potenzen, hierbei allein an die Größe Russlands denken.

Natürlich waren Themen wie der Irak und das Afghanistan-Problem (hier eine ungewöhnlich lange Auslassung zur Drogenkriminalität) ebenso ein Thema wie der Kampf gegen den globalen Terrorismus in seinen verschiedenen Facetten.

Mit besonderer Spannung wird aber mancher gelesen haben, was Putin in seinem Kapital Der „Arabische Frühling“ – Lehren und Schlussfolgerungen feststellte, wobei er ohne Umschweife sich sofort dem Thema Syrien zuwandt und z. B. den Nahost-Konflikt Israel-Palästina eher wenig beachtete.
Er nannte drei prinzipielle Ansätze der russischen Diplomatie in der Sache:

  • sofortiges Ende aller Gewalt, egal von welcher Seite sie ausgeht,
  • innersyrischer, allgemeiner nationaler Dialog aller Seiten ohne Vorbedingungen, ohne jegliche ausländische Einmischung und unter Achtung der nationalen Souveränität Syriens,
  • unbedingte Verhinderung des totalen Bürgerkriegs.
  • Russland werde sich wie bisher allen Versuchen widersetzen, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die UN und besonders deren Sicherheitsrat zu missbrauchen, um in Syrien ein “libysches Szenario” in Gang zu setzen.

    Interessierte Kreise versuchten aber immer wieder, ihnen missliebige Vetos im Sicherheistrat nachträglich durch “Koalitionen der Willigen” zu unterlaufen.

    Putin wörtlich:

    Oft wird behauptet, die Menschenrechte hätten das Primat gegenüber nationaler Souveränität.
    Kein Widerspruch, dem ist so, d. h. Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen vor einem internationalen Gericht geahndet werden.
    Wenn man aber darauf basierend die nationale Selbstbestimmung verletzt, indem man den “Schutz der Menschenrechte” vor allem im Bezug auf das Wichtigste, das Heiligste, das Recht auf Leben, von außen und mit Willkür betreibt, dann geht es nicht mehr um eine rechtschaffende Sache, sondern ist dies elementare Demagogie.

    In diesem Zusammenhang beleuchtete er auch die Möglichkeiten und Herausforderungen moderner elektronischer Kommunikationstechnologien als „weiche Kraft“ gesellschaftlicher Entwicklung, warnte aber unmissverständlich vor deren Missbrauch zum Zwecke politischer Destabilisierung eines Landes. Egal ob im Inneren oder gezielt von außen!

    Natürlich können hier in gegebener Kürze nicht alle Überlegungen des designierten Staatspräsidenten erörtert werden, z. B. jene über die Betreuung und Unterstützung russischer Staatsbürger und ethnischer Russen z. B. im Baltikum.
    Aber ein Objekt zukünftiger globaler Konflikte beunruhigt Putin doch sichtlich: Das Problem der globalen Trinkwasserressourcen.

    Originaltext: http://www.mn.ru/politics/20120227/312306749.html

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